Meine persönliche Nachlass-Geschichte

Joachim Romes Köln

„Wer Vermögen besitzt, hat die Pflicht seinen Nachlass zu regeln.“, habe ich meiner Mutter Jahre lang gepredigt und davon bin ich, nach wie vor, überzeugt. Welchen Sinn ergibt es, sein ganzes Leben etwas aufzubauen und sein Lebensende mit der Einstellung „nach mir die Sintflut“ zu verbringen?

Aus meiner Sicht werden auf dieser Art und Weise viele Gefühle und Werte vernichtet. Manchmal ist es aber nicht so einfach, seinen Nachlass zu regeln. Auch das Gefühl, sich mit dem eigenen „nicht mehr da sein“ auseinander zu setzten, ist für viele Menschen eine Hürde.

Als meine Mutter damals die gute gemeinte Botschaft meiner Aussage erkannte, fand Sie eine interessante Lösung für ihr persönliches Entscheidungsdilemma. „Regelt ihr Kinder den Nachlass unter euch, und wenn ihr euch einig seid, dann habt ihr meinen Segen“, hatte sie verkündet und damit zunächst die Arbeit und die Verantwortung geschickt auf uns Kinder verteilt. Es lag nun an meiner Schwester und mir, eine Einigung über die Verteilung, der vorhandenen Vermögenswerte und der persönlichen Gegenstände, die meine Mutter in ihrem Leben angesammelt hatte, zu finden.

Der Entscheidungsprozess war nicht ganz so einfach, da er teilweise auch mit gemischten Gefühlen belegt war. Meine Schwester war schon früh von Zuhause weggezogen und ich war immer dort geblieben. Durch diese Tatsache war ich „Mamas-Liebling“, auch wenn wir nicht immer einer Meinung waren. Meiner Schwester und mir ist es mit gegenseitigem Respekt und gutem Willen gelungen eine Nachlassregelung zu finden, die abschließend notariell beurkundet wurde.

Als unsere Mutter dann Jahre später starb, nachdem sie böse gestürzt war und ohne Bewusstsein über mehrere Wochen im Krankenhaus lag, konnten meine Schwester und ich uns ganz auf unsere Mutter und das „Abschied nehmen“ konzentrieren. Alles was den Nachlass betraf, war ja geregelt. So konnte unsere Mutter in Frieden sterben und wir konnten unsere Gedanken und die ganze Zeit dafür verwenden, eine schöne Beerdigung zu organisieren, die sicher ganz in Mutters Sinne gewesen wäre.

Neben dem friedlichen Abschied von der Mutter hatte unser persönlicher Bearbeitungsprozess noch einen weiteren sehr positiven Nebeneffekt. Über die Aufgabe den Nachlass zu regeln und unsere gemeinsame Zeit des Abschiednehmens, sind meine Schwester und ich uns wieder nahe gekommen. Wir führen heute eine wertvolle und gute Beziehung.

Nicht alle Situationen sind so leicht aufzulösen, wie es sich in meiner persönlichen Geschichte anhört. Auch bei uns gab es Phasen die gefühlsbeladen und anstrengend waren. Manchmal kann man solche Aufgaben auch nicht alleine lösen, insbesondere wenn die Fronten verhärtet sind.

Zu einer friedlichen Nachlass-Lösung einen Beitrag zu leisten, darin sehe ich meine Aufgabe. Mein Wunsch ist es, Werte zu erhalten und Gefühle zu schützen bzw. Gefühle neu aufzubauen, sodass der letzte Schritt des Lebens in Frieden geschehen kann.

Herzlichst
Ihr Joachim Romes